Tachykardie: Prävention, Diagnostik und wann man zum Arzt gehen sollte

Herzrasen ist eine der häufigsten Beschwerden, mit denen trainierende Menschen zum Kardiologen kommen. In den meisten Fällen ist die Ursache harmlos und behebbar, doch ein kleiner Teil der Episoden weist auf eine Rhythmusstörung hin, die sich erst nach einer genauen Diagnose behandeln lässt. Die Redaktion hat praktische Informationen zusammengetragen: Was man selbst tun kann, welche Untersuchungen es gibt und wann man nicht zögern darf.
Prävention: Was vom Sportler selbst abhängt
Die erste Ebene der Prävention ist das Beseitigen der Ursachen einer Sinustachykardie, die mit dem Lebensstil zusammenhängen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr vor, während und nach dem Training, besonders bei Hitze, verringert den kardiovaskulären Drift. Als Orientierung dienen die Urinfarbe und der Unterschied im Körpergewicht vor und nach der Einheit: Ein deutlicher Gewichtsverlust während des Trainings bedeutet, dass zu wenig getrunken wurde.
Der zweite Faktor ist Schlaf und Erholung. Chronischer Schlafmangel erhöht den Sympathikotonus, und ein abruptes Steigern des Trainingsumfangs ohne Entlastungswochen senkt die Herzfrequenzvariabilität. Die tägliche Kontrolle des morgendlichen Pulses oder der HRV mithilfe eines Brustgurts hilft, einen Trend zu bemerken, bevor Symptome auftreten.
Der dritte Punkt ist ein vernünftiger Umgang mit Stimulanzien. Die gesamte tägliche Koffeinmenge aus Kaffee, Energydrinks und Pre-Workout-Präparaten sollte bei Erwachsenen die von der EFSA als sicher betrachtete Grenze nicht überschreiten (bis zu 400 mg pro Tag für gesunde Erwachsene, bis zu 200 mg pro Einzeldosis). Man sollte die Kombination mehrerer Stimulanzien sowie deren Einnahme auf nüchternen Magen vor dem Nachtschlaf vermeiden.
Der vierte Punkt ist der Verzicht auf Substanzen, die das Risiko von Rhythmusstörungen direkt erhöhen: Clenbuterol, Schilddrüsenhormone ohne Indikation, anabole Steroide, „Fatburner“ unbekannter Zusammensetzung. Das Risiko hängt hier nicht nur mit der Pulsbeschleunigung zusammen, sondern auch mit strukturellen Veränderungen des Herzens, die sich unbemerkt entwickeln können.
- Trinken Sie Wasser und Elektrolyte entsprechend den Schweißverlusten.
- Trainieren Sie nicht intensiv mit Fieber und in der akuten Phase einer Infektion.
- Kontrollieren Sie das gesamte Koffein und lesen Sie die Zusammensetzung von Pre-Workout-Produkten.
- Planen Sie Entlastungswochen ein und beobachten Sie den morgendlichen Puls.
- Behandeln Sie Anämie und Schilddrüsenerkrankungen unter ärztlicher Aufsicht.
Wie man eine Episode von Herzrasen selbst einschätzt
Es ist hilfreich zu notieren, unter welchen Umständen die Episode auftrat: in Ruhe oder unter Belastung, nach Kaffee oder einem Energydrink, plötzlich oder allmählich. Eine Sinustachykardie steigt und klingt in der Regel allmählich ab, während eine paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie plötzlich beginnt, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, und ebenso plötzlich wieder aufhört.
Man sollte den Puls an der Speichenarterie messen oder einen Pulsmesser verwenden. Ist der Rhythmus unregelmäßig, „chaotisch“, kann es sich um Vorhofflimmern handeln. Moderne Smartwatches mit Einkanal-EKG-Funktion helfen mitunter, eine Episode festzuhalten, doch ihre Aufzeichnungen ersetzen kein medizinisches EKG und müssen von einem Arzt interpretiert werden.
Für supraventrikuläre Tachykardien beschreiben die Leitlinien der ESC vagale Manöver als erste Hilfe bei einem stabilen Patientenzustand. Das modifizierte Valsalva-Manöver (Pressen mit anschließendem Anheben der Beine in Rückenlage) war in der REVERT-Studie wirksamer als das Standardmanöver. Solche Manöver sollte man jedoch nur durchführen, wenn ein Arzt zuvor erklärt hat, dass die eigene Diagnose dies zulässt.
Wichtig ist es, die Begleitempfindungen festzuhalten: Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen, Schmerz oder Druck in der Brust, Atemnot, Ohnmacht. Gerade sie, und nicht die Pulszahl, bestimmen die Dringlichkeit der Hilfe. Ein Episodentagebuch erleichtert die weitere Diagnostik erheblich.

Diagnostik: Welche Untersuchungen angeordnet werden
Die Basisuntersuchung ist ein 12-Kanal-Ruhe-EKG. Es erlaubt, Anzeichen eines Präexzitationssyndroms, einer Hypertrophie oder von Repolarisationsstörungen zu erkennen. Für Sportler gibt es eigene Kriterien der EKG-Interpretation, die trainingsbedingte von krankhaften Veränderungen unterscheiden, und der Arzt muss sie berücksichtigen, um Fehldiagnosen zu vermeiden.
Sind die Episoden kurz und selten, zeigt ein Standard-EKG möglicherweise nichts. Dann wird ein 24-stündiges oder mehrtägiges Holter-Monitoring angeordnet, und bei seltenen Symptomen Ereignisrekorder oder implantierbare Loop-Rekorder. Das Ziel ist, das EKG genau während des Anfalls „einzufangen“.
Die Echokardiographie beurteilt die Struktur des Herzens: die Wanddicke, die Größe der Kammern, die Klappenfunktion. Sie hilft, ein „Sportlerherz“ von einer hypertrophen Kardiomyopathie zu unterscheiden. Ein Belastungstest zeigt, wie sich der Rhythmus unter Arbeit verhält. Bei Bedarf kommen ein Herz-MRT und eine elektrophysiologische Untersuchung zum Einsatz.
Laboruntersuchungen suchen nach außerkardialen Ursachen: großes Blutbild (Anämie, Erythrozytose), TSH und freies T4 (Schilddrüsenfunktion), Elektrolyte (Kalium, Magnesium), Glukose. Der Arzt sollte ehrlich über alle Nahrungsergänzungsmittel und Präparate informiert werden, einschließlich hormoneller, denn ohne diese Information kann die Diagnostik in die Irre gehen.
Wann man zum Arzt geht und wann man den Rettungsdienst ruft
Eine planmäßige Konsultation beim Kardiologen ist nötig, wenn der Ruhepuls ohne erkennbaren Grund dauerhaft höher liegt als Ihre gewohnte Norm, wenn sich Episoden von Herzrasen wiederholen, wenn der Rhythmus als unregelmäßig empfunden wird oder wenn die Belastungstoleranz stark abgenommen hat. Auch vor der Rückkehr zum Training nach einer Myokarditis oder einer schweren Virusinfektion ist eine Untersuchung sinnvoll.
Sofortige ärztliche Hilfe ist erforderlich, wenn die Tachykardie mit Brustschmerz, ausgeprägter Atemnot, Ohnmacht oder einem präsynkopalen Zustand, Bewusstseinstrübung einhergeht oder wenn der Anfall nicht abklingt und sich das Befinden verschlechtert. Ohnmacht während körperlicher Belastung gilt stets als Alarmsymptom.
Eine gesonderte Situation ist die Einnahme von Stimulanzien oder Präparaten zur Gewichtsabnahme. Treten nach Clenbuterol, hohen Koffeindosen, Schilddrüsenhormonen oder unbekannten „Fatburnern“ starkes Herzrasen, Zittern, Muskelkrämpfe oder Brustschmerz auf, ist Notfallhilfe nötig. Den Ärzten muss unbedingt das Präparat genannt werden.
Eine familiäre Vorgeschichte von plötzlichem Tod in jungem Alter (vor dem 50. Lebensjahr), Kardiomyopathien oder Kanalopathien bei Verwandten ist ein Anlass zur Untersuchung, selbst wenn keine Beschwerden bestehen. Gerade solche erblichen Zustände stehen am häufigsten hinter dem plötzlichen Tod junger Sportler.
| Situation | Was zu tun ist |
|---|---|
| Erhöhter Puls nach Kaffee, bei Hitze, bei Schlafmangel, ohne weitere Symptome | Anpassung des Lebensstils, Beobachtung |
| Wiederholte Episoden von plötzlichem Herzrasen | Planmäßige Konsultation beim Kardiologen, EKG, Holter |
| Unregelmäßiger Rhythmus | In nächster Zeit einen Arzt aufsuchen |
| Ohnmacht, Brustschmerz, Atemnot | Sofort den Rettungsdienst rufen |
| Herzrasen nach Clenbuterol, T3, „Fatburnern“ | Notfallhilfe, Präparat nennen |
Behandlung und Rückkehr zum Sport
Die Vorgehensweise hängt von der Diagnose ab. Bei einer Sinustachykardie wird die Ursache behandelt: Anämie, Schilddrüsenfunktion und Flüssigkeitshaushalt werden korrigiert, Stimulanzien abgesetzt. Ein medikamentöses „Abbremsen“ des Pulses ohne Klärung der Ursache ist nicht sinnvoll.
Supraventrikuläre Tachykardien, die mit akzessorischen Leitungsbahnen oder dem AV-Knoten zusammenhängen, lassen sich oft wirksam mit einer Katheterablation behandeln. Die Leitlinien der ESC betrachten sie als Methode der Wahl für viele Patienten mit Rezidiven, und für Sportler ist sie besonders wertvoll, da sie es erlaubt, auf dauerhafte, leistungsmindernde Medikamente zu verzichten.
Betablocker, die mitunter zur Rhythmuskontrolle verordnet werden, stehen in einzelnen Sportarten (etwa im Schießsport und Golf) auf der Verbotsliste der WADA. Sportler, die sie aus medizinischen Gründen benötigen, brauchen eine Ausnahmegenehmigung zur therapeutischen Verwendung. Die Entscheidung trifft der Arzt gemeinsam mit dem Sportler.
Die Rückkehr zum Training nach einer diagnostizierten Rhythmusstörung oder Myokarditis erfolgt schrittweise, mit Kontrolluntersuchungen. Die Leitlinien der Sportkardiologie betonen eine individuelle, gemeinsam mit dem Patienten getroffene Entscheidung und keine automatische Disqualifikation.
Fazit der Redaktion
Den meisten Episoden von beschleunigtem Puls bei Sportlern lässt sich vorbeugen: ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Schlaf, Koffeinkontrolle sowie der Verzicht auf gefährliche Stimulanzien und Hormone senken das Risiko merklich.
Die Diagnostik geht vom Einfachen zum Komplexen: EKG, Holter, Echokardiographie, Blutuntersuchungen. Die zentrale Aufgabe ist, das EKG während einer Episode festzuhalten und eine Sinustachykardie von einer Rhythmusstörung zu unterscheiden.
Brustschmerz, Ohnmacht, Atemnot und starkes Herzrasen nach der Einnahme von Stimulanzien sind Gründe, sofort Hilfe zu suchen. Die moderne Behandlung der meisten Rhythmusstörungen erlaubt eine Rückkehr zum Sport.
Wir empfehlen außerdem, unsere Beiträge über die Ursachen von Tachykardie bei Sportlern, über die Prävention von Rhythmusstörungen nach Koffein und über das Monitoring der Herzfrequenzvariabilität zu lesen.
Literaturverzeichnis
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- World Anti-Doping Agency. Prohibited List. Montreal: WADA; чинна редакція.
Andriy Melnyk
Krafttrainer, Autor von Programmen für Anfänger und Fortgeschrittene. Schreibt über Trainingsplanung.


